Gemeinde Galenbeck: Sparen, verkaufen, verzichten – und dennoch wachsen die Defizite | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Die Gemeinde Galenbeck beteiligt sich am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ und macht damit auf die zunehmend kritische finanzielle Lage der Städte und Gemeinden aufmerksam.

Gemeinde Galenbeck: Sparen, verkaufen, verzichten – und dennoch wachsen die Defizite

Die Gemeinde Galenbeck mit ihren rund 1.090 Einwohnerinnen und Einwohnern in neun Ortsteilen hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um ihre Finanzen zu stabilisieren. Gemeindeeigene Wohnungen sowie nicht mehr benötigte Gebäude wurden verkauft, um finanzielle Spielräume zu schaffen und den Haushalt zu entlasten.

Dennoch ist es der Gemeinde trotz dieser Maßnahmen nicht gelungen, die Verschuldung vollständig abzubauen. Heute zeigt sich deutlich, dass der Verkauf kommunalen Eigentums keine dauerhafte Lösung für strukturelle Finanzprobleme darstellt.

Die Gemeinde Galenbeck verfügt weder über Jugendclubs oder andere größere kommunale Freizeiteinrichtungen. Die Gemeinde unterhält im Wesentlichen ihre Feuerwehrstandorte, kleinere Garagen und Gebäude für die Gemeindearbeiter sowie das Bürgerhaus in Kotelow als wichtigen Treffpunkt für das gesellschaftliche Leben. Selbst Spielplätze werden vielerorts nur durch das außergewöhnliche Engagement und die tatkräftige Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger ermöglicht.

Trotz dieser äußerst schlanken Infrastruktur weist der Haushalt 2026 ein Defizit von rund 715.000 Euro aus. Zur Sicherung der laufenden Zahlungsfähigkeit wird ein Kassenkreditrahmen von 922.000 Euro benötigt. Nach der aktuellen Finanzplanung droht der Gemeinde bis Ende des Jahres 2029 ein aufgelaufenes Defizit von rund 4 Millionen Euro.

Gleichzeitig steht die Gemeinde vor einer ihrer größten Herausforderungen der vergangenen Jahre. Das Feuerwehrgerätehaus in Lübbersdorf hat aufgrund seines baulichen Zustandes und der starken Abnutzung das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht. Um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr dauerhaft sicherzustellen, ist ein Neubau erforderlich. Hier zeigt sich ein weiteres Grundproblem vieler Kommunen: Während in der Vergangenheit immer wieder gefordert wurde, kommunales Eigentum zu verkaufen, um kurzfristig finanzielle Mittel zu generieren, fehlen heute genau die Flächen und Vermögenswerte, die für notwendige Investitionen benötigt werden. Für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses muss die Gemeinde nun zusätzliche Flächen ankaufen oder pachten.

„Es kann nicht dauerhaft die Antwort auf kommunale Finanzprobleme sein, dass Gemeinden ihr Eigentum verkaufen. Wer Straßen, Gebäude, Grundstücke und Wohnungen veräußert, erhält kurzfristig Geld, verliert aber langfristig Vermögen und Gestaltungsmöglichkeiten. Kommunen brauchen ein tragfähiges Anlagevermögen und eine Bilanz, die auch zukünftigen Generationen Handlungsspielräume sichert.“ kommentiert der Bürgermeister der Gemeinde Galenbeck, Thomas Herrholz.

Die Entwicklung in Galenbeck verdeutlicht die Situation vieler ländlicher Gemeinden. Trotz sparsamer Haushaltsführung, trotz Verkäufen und trotz erheblicher Eigenleistungen der Bürgerinnen und Bürger wachsen die finanziellen Belastungen schneller als die verfügbaren Einnahmen. Die Einnahmen aus Schlüsselzuweisungen und Gewerbesteuern werden durch Umlagen an Amt und Kreis wieder aufgezehrt.

Die Gemeinde Galenbeck fordert deshalb gemeinsam mit den Städten und Gemeinden in ganz Deutschland eine auskömmliche Finanzierung der kommunalen Aufgaben. Wer den Kommunen immer neue Anforderungen überträgt, muss auch die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen.

Denn die Zukunft des ländlichen Raumes entscheidet sich nicht in den Großstädten, sondern in den Gemeinden vor Ort – dort, wo Feuerwehren, Dorfgemeinschaften und ehrenamtliches Engagement das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts bilden.

Kommunen am Limit – weil man Zukunft nicht verkaufen kann.

Gemeinde Galenbeck
Der Bürgermeister